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Wie fördere ich einen gesunden Pferdehuf

Wie fördere ich einen gesunden Pferdehuf
Ein gesunder Pferdehuf?

Einige Voraussetzungen, damit dein Pferd eine Chance hat gesunde Hufe zu haben oder zu entwickeln:


  • Mir ist bewusst, dass der Huf für das Pferd sehr wichtig ist

  • Ich suche mir eine fähige Person für die Hufbearbeitung (egal ob Schmied oder Hufbearbeitende)

  • Ich bilde mich selbst weiter über die Anatomie des Hufes und wie er funktioniert

  • Ich ernähre mein Pferd so, dass es gutes Horn bilden kann

  • Ich sorge dafür, dass mein Pferd sich viel bewegt und über verschiedene Untergründe

  • Ich verwende keine chemischen Hufpflegeprodukte

  • Ich schaue, dass mein Pferd nicht im Morast und in Pferdeexkrementen steht



 

 Mir ist bewusst, dass der Huf für das Pferd sehr wichtig ist

 

No hoof, no horse ist ein Spruch der mir schon mit 13 Jahren begegnete, als ich das Brevet absolvierte. Nicht, dass ich damals komplett verstanden hätte, was er bedeutet.

Aber Tatsache ist, dass das Fundament für ein gesundes Pferd eine gute Hufgesundheit ist. Weder mit meiner osteopathischen Arbeit noch mit der Futterberatung allein, kann ich eine gesunde Hufbalance herstellen. Wichtig ist, das Bewusstsein und die Weiterbildung als Pferdebesitzende/r, um zu verstehen woran gearbeitet werden sollte.

Metabolische Probleme, die ich gerne als Wohlstandskrankheiten bei Pferden bezeichne, beginnen immer beim Huf. Der Huf ist für das Flucht- und Beutetier Pferd das wichtigste Element, um allzeit bereit zu sein, die Hufe in die Hand zu nehmen.

Das bedeutet konkret Hufprobleme ernst zu nehmen, sich Hilfe zu holen, wenn es Auffälligkeiten gibt. Das können Risse in den Wänden sein, die einfach nie verschwinden wollen. Zu flache, zu steile Hufe, ungleich belastete oder überbelastete Hufe. Oder Fühligkeiten und z.B. Probleme beim Beschlagen oder Bearbeiten der Hufe. Ein Pferd, dass uns etwas mitteilt, sollte ernst genommen werden. Gerade weil Pferde meister im Kompensieren und Verharmlosen sind. Als Fluchttier dürfen sie sich nicht als schwach outen, sonst sind sie leichte Beute. Aber genau das macht uns die Ursachenforschung manchmal schwer.

 

Buchempfehlungen:

LTZ Ein Einstieg ins Thema Hufe, Blickschulung für Einsteiger,

Link zum Buch https://tidd.ly/4aAdY5I "Hufe lesen"

Andi Weisshaupt, Schweizer Hufschmied, der nun in Ungarn lebt, er hat die F-Balance weiterentwickelt, Link zum Buch https://tidd.ly/4vzhKEH "Das Buch zum Konzept der huuf-balance"


Für Fortgeschrittene: Das Buch von Heike Veit "Nerven wie Drahtseile im Huf" Bitte eignet euch vor dem Kauf anatomische Hufkenntnisse an, ansonsten werdet ihr von diesem Buch nicht voll profitieren können, das Buch findet ihr hier (D/F/E): https://www.gesundehufe.ch/

Zum Thema anatomisches Hufverständnis ist der Youtube-Kanal von Lindsay Setchell empfehlenswert, sie kann bildlich sehr toll erklären was die Mechanik und Zusammenhänge extrem gut verständlich macht. Ihre Theorien zur Pferdehaltung und den Zusammenhang zu Hufkrankheiten kann ich so nicht teilen. Evtl. hängen ihre Erfahrungen aber auch mit den sehr weichen Böden in England zusammen. Diese können es schwer machen einen kranken Huf wieder in Balance zu bringen.

 

 

Ich suche mir eine fähige Person für die Hufbearbeitung (egal ob Schmied* oder Hufbearbeitende*)

 

Das ist wohl fast das Schwierigste an der ganzen Geschichte. Aus eigener Erfahrung weiss ich wie schwer es ist, jemand Fähigen zu finden,

der individuell auf das Pferd eingeht und nicht einfach nach Schema F sein oder ihr Ding macht. Ich persönlich bevorzuge Personen, die sich selbst weiterbilden

und grundsätzlich eine offene Haltung haben. Alternativen können besprochen werden und werden nicht gleich abgeblockt. Man nimmt sich Zeit Probleme zu besprechen und mögliche Lösungswege gemeinsam zu finden. Es wird Rücksicht auf den Charakter des Pferdes genommen, ruhig und zielstrebig gearbeitet – ohne Hektik und Härte.

Ob am Ende ein Eisen oder Alternativbeschläge eingesetzt werden, geklebt, genagelt oder bar gelassen wird – es sollte stets fürs Pferd gehandelt werden.

Viel zu oft geht es um unsere Bedürfnisse und nicht jene des Pferdes. Das Ziel sollte immer sein den Barhuf in eine gesunde Balance zu bringen. Egal, ob das Pferd danach beschlagen wird. Ein Barhuf in Balance sorgt dafür, dass Krankheiten des metabolischen Systems in weite Ferne rücken. Auch wenn es unter Umständen viel Zeit braucht die Balance zu erreichen – es lohnt sich.

Mit der bearbeitenden Person sollte somit definiert werden einen Fortschritt am Barhuf anzustreben, das Eisen oder der Bekleb ist nicht dazu da einen gesunden Barhuf zu ersetzen. Auch wenn sich damit viel korrigieren lässt, ist das keine Dauerlösung. Wer sich dessen bewusst ist, hat bereits die Halbe Miete.

 

Ich ernähre mein Pferd so, dass es gutes Horn bilden kann

 

Das eine gute Ernährung dazu führen sollte, dass das Pferd gutes Horn bildet, liegt auf der Hand.

Aber was genau soll ich meinem Pferd denn geben? So wenig Unnötiges wie möglich – damit meine ich Füllstoffe, Medikamente, Müslis, Mais, Weizen, Melasse, Rübenschnitzel, Gerste, Zucker in jeglicher künstlicher Form, etc. All diese Stoffe haben etwas gemeinsam, sie verzögern den Stoffwechsel und fördern Fehlgärungen.

Das führt zu einer Überlastung der Leber und einer Verlangsamung des Abbaus von Giftstoffen, die im Horn gebunden werden. Je besser der Stoffwechsel meines Pferdes funktioniert, desto besser wird die Hornqualität sein. Gutes Heu, das Diversität bietet ist wichtig, ebenso ein qualitativ wertvolles Mineralfutter. Dabei gibt es einen einfachen Grundsatz zu beachten. Keine unnötigen Stoffe, sprich auf eine natürliche Basis achten, keine chemischen Zusätze, Minerale und Spurenelemente in Chelatform können grundsätzlich besser aufgenommen werden. Ich bin persönlich überzeugt von den Dr. Weyrauch Produkten und kann diese zur Mineralversorgung nur empfehlen. Alternativen zu dieser Qualität habe ich bislang kaum gefunden. Hafer enthält Phosphor und fördert den Zellstoffwechsel (mehr zu Hafer findest du hier: Hafer in der Pferdefütterung).

 

Ich sorge dafür, dass mein Pferd sich viel bewegt

 

Gemeinhin wird angenommen, dass es ausreicht ein Pferd in Boxenhaltung 1x täglich gut zu bewegen (reiten). Das Pferd verbringt evtl. noch 2-4 Stunden auf einem Paddock oder auf der Weide.

Leider reicht dieses Bewegungsangebot nicht. Das Pferd müsste die Möglichkeit haben am Tag min. 40km zurückzulegen. Das Reiten deckt einen Teil davon sicher ab, ist aber sehr komprimiert auf einen geringen Zeitraum. Besser ist eine Verteilung über den Tag. Das heisst ein Pferd braucht tagsüber viel Auslauf mit genügend Platz, damit es sich auch frei bewegen kann und soziale Beziehungen pflegen kann.

Je nach Haltungsform kann ein Spaziergang oder auch die Führanlage einen Teil der Bewegung übernehmen, wird aber die Bewegung im Auslauf in der Gruppe qualitativ nicht ersetzen können.

Es ist also für die Gesundheit des Pferdes, für den Stoffwechsel und damit auch für einen gesunden Pferdehuf wichtig, eine Haltungsform zu wählen, die viel Auslauf ermöglicht. Nächtliche Boxenhaltung kann eine Option sein, wenn der tägliche Auslauf 10-12 Stunden in der Gruppe beträgt und ein Offenstall zu viel Stress für das Pferd bedeutet. Für das Pferd ist extra Bewegung ein Plus, es ist von Natur aus ein Lauftier und kein Stehtier 😉.

 

Ich verwende keine chemischen Hufpflegeprodukte

 

Viel hilft viel ist für die Hufe schlichtweg eine Fehlannahme – die Rede ist von Ölen und Crèmes. Hufpflegeprodukte sind oft ein Marketing-Erfolg. Gesunde Hufe kommen von innen und wie bei den anderen Punkten oben bereits erwähnt, gibt es einige andere Stellschrauben, die hilfreich sind. Horn reagiert anders auf fettende Pflegeprodukte als es unsere Haut tut. Das Horn zieht sich zusammen und die regelmässige Anwendung kann vorwiegend bei Industriefetten (herkömmlichen Huffetten) zu einer Barriere führen, die die Feuchtigkeitsaufnahme des Horns verhindert. Das Horn ist, wie unsere Haare, ein nicht durchblutetes Produkt des Körpers, dennoch ist es immer noch reaktiv und hat beim Pferd unter anderem den Zweck als Stossdämpfer elastisch zu reagieren. Das kann das Horn aber nur, wenn es atmungsaktiv bleibt und Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben kann, ganz nach den Umständen der Umwelt. Bei natürlichen Fetten, wie bspw. Lorbeeröl, bleibt die Möglichkeit der Feuchtigkeitsaufnahme bestehen, das Horn zieht sich aber dennoch zusammen. Wer sich mit dem Huf und der Aufhängung des Hufbeins in der Kapsel beschäftigt hat, weiss, dass es unangenehm und einengend sein kann, die Hornkapsel sich zusammenziehen zu lassen. Daher empfehle ich nur die Verwendung von antiseptischen Ölen wie Teebaumöl während der kalten und nassen Jahreszeit auf der Sohle und im Strahlbereich bei Bedarf aufzutragen, um vor Fäulnisprozessen, wie Strahlfäule zu schützen. Ansonsten dient das fetten der Hufe nur der Optik und hat für das Pferd mehr negative als positive Wirkung.

 

Ich schaue, dass mein Pferd nicht im Morast und in Pferdeexkrementen steht

 

Gerade im Winter kommt es häufiger zu Fäulnisprozessen im Horn. Die Feuchtigkeit und oft matschige Oberflächen verhindern ein trocken werden der Sohle. Bakterien werden zwischen Sohle und Dreck eingeschlossen und fühlen sich pudelwohl. Tägliches Auskratzen der Hufe hilft und ist essentiell für das Verhindern von Fäulnisprozessen. Pferde mit Stoffwechselproblemen oder Hufen in Imbalance neigen aber sehr viel mehr zu Problemen. So bringt ein Zwanghuf auch eher Strahlfäule mit sich, da die Zwischenräume enger sind und weniger Mechanik im Huf stattfindet. Ein wenig Matsch ist nicht das Problem, aber das Pferd sollte die Möglichkeit haben an einem Ort im Auslauf meist trocken stehen zu können. Die tägliche Säuberung der Ausläufe ist wichtig, damit die Bakterien im Zaum gehalten werden können. Auf Naturböden ist das Problem meist weniger gross als auf angelegten Flächen, da die natürlichen Bakterien im Erdboden den Fäulnisprozessen entgegenwirken. Das A und O ist aber auch bei schwierigen Bedingungen die Bewegung, je mehr sich das Pferd bewegt, desto eher wird das Hufwachstum gefördert und die Strukturen bleiben gesund und sind ebenfalls weniger anfällig.



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